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FRÜHER IST BESSER ALS SPÄTER - Mehrsprachigkeit im Kindergarten

Mehrsprachige Kompetenz ist Voraussetzung für Kommunikation - auch für interkulturelle Kommunikation - und damit Basis für ein friedliches Miteinander und Voraussetzung für die Erreichung des Zieles, die Länder der europäischen Union zu einem “wettbewerbsfähigen und dynamischen wissensbasierten Wirtschaftsraum zu machen”.
1

Fest steht, dass mit erhöhter Sprachkompetenz auch die Kultur des jeweils anderen  Landes Eingang in die Erfahrungswelt der Kinder finden kann.

Damit schwindet die Angst vor dem Unbekannten, Berührungsängste werden abgebaut, grenzübergreifende Kommunikation ist unproblematisch möglich.²

Die Staats- und Regierungschefs der EU forderten im März 2002 in Barcelona die Unterrichtung von mindestens 2 Fremdsprachen “ab der frühen Kindheit”.

“Ab der frühen Kindheit” kann nur bedeuten, dass die Kinder bereits im Vorschulalter mit Mehrsprachigkeit vertraut gemacht werden sollen.

Kommissar Ján Figel’ hat im November 2005 eine “Neue Rahmenstrategie für Mehrsprachigkeit” veröffentlicht: “Zum ersten Mal befasst sich eine Mitteilung der Kommission mit diesem Politikbereich.”

Die Kommission betont die Wichtigkeit der Sprachenvielfalt in der Europäischen Union durch die Organisation eines eigenständigen Bereiches für dieses Thema unter der Leitung des Kommissars Leonard Orban mit Beginn des Jahres 2007.

Darüber hinaus wurde von den Staats- bzw. Regierungschefs der EU bei ihrem Treffen in Barcelona der Unterricht von mindestens 2 Fremdsprachen ab der frühen Kindheit gefordert.

Die Euroregion Neisse/ Nisa/ Nysa liegt in einen geografischen Bereich, der zu Polen, der Tschechischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland gehört: Die Euroregion Neisse/ Nisa/ Nysa, ist also ein Gebiet mit drei unterschiedlichen Sprachen auf relativ engem Raum.

Die Recherchen in der Euroregion Neisse/ Nisa/ Nysa haben ergeben, dass in vielen Kindergärten Einzelaktivitäten stattfinden, ohne dass eine Kommunikation auf breiter Ebene organisiert ist.

Ergebnis dieser Recherchen war eine jetzt dokumentierte Konferenz am 14./ 15.09.2006 in der Wissenschaftlichen Bibliothek in Liberec, in der Fachkräfte sowie die breite Öffentlichkeit über die Erkenntnisse aus Praxis und Wissenschaft sowie über die Position der Europäischen Union zur “Sprachenvielfalt in Europa” informiert und zur Zusammen- arbeit aufgerufen worden sind. Ein erstes positives Resultat dieser Veranstaltung war die Anmeldung von 12 Kindertagesstätten, die an einer grenzüberschreitenden Partnerschaft interessiert sind.

Ein weiteres Ergebnis dieser Konferenz: Aufbau des Informationszentrums FORUM LINGUA, das wir in Liberec gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern errichten. Ziel ist, alle bestehenden Aktivitäten in der Euroregion Neisse/Nisa/Nysa miteinander zu vernetzen und eine Plattform für Kommunikation, Erfahrungsaustausch und Fortbildung für Fachkräfte, Eltern und Politiker zu schaffen.

Für den Aufbau dieses Informationszentrums und die Organisation von Kommunikations-
austausch und Fortbildung wird finanzielle Unterstützung benötigt. Das gleiche gilt für die Kindertagesstätten: Die Fortbildung der Fachkräfte, die Organisation der mehrsprachigen Erziehung in den Kindertagesstätten ist ohne finanzielle Zuwendungen nicht zu leisten. Jeder in diesem Zusammenhang gespendete “cent” ist eine gewinnbringende Investition in die Zukunft.

Die Europäische Union hat mit ihrem “Europass – Sprachenpass” -
4eine international einheitliche und differenzierte Beurteilung der Sprachkenntnisse entwickelt. In Anlehnung an diesen Referenzrahmen für Sprachen schlagen wir als sinnvolle Ergänzung vor, die in vorschulischen Einrichtungen erworbenen Sprachkenntnisse in einem Sprachenpass für Vorschulkinder festzuhalten. Dieser Sprachenpass sagt aus, wie viele Sprachen das Kind im Kindergarten gesprochen hat, die Familiensprache eingeschlossen.

Im Rahmen der Europäischen Union sollte z.B. Standard sein, dass alle Kinder bis zum Beginn ihrer Schulzeit z.B. 6. Lebensjahr neben ihrer Muttersprache
5 vertraut gemacht worden sind mit der Landessprache, falls sie sich von der Familiensprache unterscheidet – sowie der Sprache des Nachbarn oder der Kommunikationssprache Englisch. In Kurzform könnte dies ausgewiesen werden als 3L B4 6 Sprich: three languages before six

Den Vorschlag für die Entwicklung des Sprachenpasses für Vorschulkinder im Rahmen der Euroregion Neisse/Nisa/Nysa entnehmen Sie bitte der Anlage.

Bohlen/ Lottenburger
Malmqvist/ Roggenbuck
April 2007


                                                                                                                                                
1 Zielformulierung der Staats- und Regierungschefs der EU für die herausragende Bedeutung von Bildung und Forschung.
2 Wir schaffen damit eine Voraussetzung für die Entwicklung der Ambiquitätstoleranz, d.h. der Fähigkeit, kulturell bedingte Unterschiede ohne Wertung wahrnehmen zu können. Es ist selbstverständlich, dass dies auch Eingang in die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher finden muss.
Den Vorschlag für die Entwicklung des Sprachenpasses für Vorschulkinder im Rahmen der Euroregion Neisse/ Nisa/ Nysa entnehmen Sie bitte der Rubrik Sprachenpass.
4
siehe http://www.europass-info.de/de/was-ist-der-europass.asp
5 Vielleicht zukünftig besser "Familiensprache"?

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