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Deutsch-Tschechisches Forum der Frauen

Publikationen

Vortrag von Věra Vohlídalová auf einer Konferenz zum Thema

„Minderheiten und Bibliotheken in Mittelosteuropa“

anlässlich der Eröffnung der Bibliothek des
 ROMA-Gymnasiums In PĂ©cs (Ungarn)


WIR LEBEN ZUSAMMEN !

Minderheiten in Tschechien

Věra Vohlídalová
, SKIP
Tschechisch-Deutsches  Forum der Frauen
in Zusammenarbeit mit
Blanka Konvalinková und
Dana Petrýdesová,
Wissenschaftliche Bibliothek Liberec


Jeder von uns, - so wie unser Schicksal – ist einmalig, aber nicht
auĂźerordentlich


 1. Suche nach einem Verständnis der Gruppenzusammengehörigkeit im  Kontext der Geschichte unter Einbeziehung der Fachliteratur.
.
Wie aktuell das Thema und die Problematik der Minderheiten ist, zeigen vor allem die in den letzten Jahren in den postkommunistischen Staaten geführten Diskussionen über die Lage der Minderheiten im Zusammenleben mit der Majoritätsgesellschaft.

Alle demokratischen Systeme versuchen die Konsequenzen der Konvention der Menschenrechte zu übernehmen und zum Leben zu bringen, was nicht immer leicht ist. Der Prozess der Anerkennung dieser Regeln, die Durchsetzung der Demokratie und der Menschenrechte ist immer noch mit dem Morast des totalitären Systems in den postkommunistischen Ländern stark belastet, trotz der eingeführten Gesetzgebung. Jede Gruppe von Menschen hat ein eigenes Niveau und Reife von Selbstbewusstsein, unterschiedlich je nachdem, wie tief sie eigene Geschichte, Schicksal und Lage versteht oder annimmt, wie lange sie mit der Mehrheitsgesellschaft lebt, unter welcher sozialen Situation sie sich befindet, wie weit ihre Bildung ermöglicht wurde oder sie selber sie pflegte. Das heißt, wie die Menschen selber oder wie ihnen die Gesellschaft, in der sie sich befinden, erlaubt hat, sich mit eigener Identität zu identifizieren.

Als Laie möchte ich mich bei der Suche nach GrĂĽnden der Minoritätsproblematik auf Wissenschaftler berufen. Prof. Dr.Bodo von Borries, Universität Hamburg, der sich mit  dem Thema der Akzeptanz der Unterschiedlichkeit psychologisch und im geschichtlichen Kontext beschäftigt, gibt mir einen Hinweis fĂĽr heutige Ăśberlegungen sowie fĂĽr die Plattform der Kommunikation auf beiden Seiten der Gesellschaft: Ich zitiere : „Was heiĂźt eigentlich vergessen, leugnen, verdrängen, erinnern? Gedächtnis ist immer Konstruktion, nicht nur gesellschaftlich, sondern auch im individuellen Leben. Es ist also gar nicht unbedingt schuldhaft oder böse Absicht, wenn „objektiv falsch“ erinnert wird. .......... Von den zig Milliarden vergangener Fakten und zig Millionen belegter Fakten werden nur winzige Bruchteile in Syntheseprozessen zu Konstruktionen verarbeitet. Dagegen ist ......die geläufige Vorstellung der Laien, Geschichte sei ein gewissermaĂźen maĂźstabsgerecht verkleinertes Modell der vergangenen Wirklichkeit und ihrer Wandlungen, grob irrig. Die Kategorien der Auswahl sind entscheidend und natĂĽrlich perspektivenabhängig. Auch das ist keineswegs schuldhaft. Jede Gruppe betreibt Legitimerweise eine verschiedene Auswahl. Was bildet – auf Geschichte bezogen – dann noch den Stachel im Fleisch? Warum werden wir mit unseren eigenen Versionen nicht einfach glĂĽcklich und kĂĽmmern uns kein bisschen um den Rest der Welt? Wie Menschen verschiedener Gruppen zusammenleben (mĂĽssen) und auf Kommunikation angewiesen sind, auch weil gegenseitige Anerkennung zum Leben gehört, weil man den Spiegel und in den Spiegel der Augen des GegenĂĽbers blicken können möchte. Was kann man erreichen? Nicht mehr als gegenseitige Anerkennung von  Authentizität und Verschiedenheit, die Einsicht in die relative Berechtigung der anderen Version und der eignen Version: We agree to   desagree, aber wir können uns in dieser Nichteinigung menschlich achten. Das allerdings ist nur möglich, wenn die eigenen Versionen wirklich mit den anderen Versionen versuchsweise konfrontiert und ernsthaft abgeglichen sind. Es genĂĽgt  nicht zu sagen: “Da hat eben jeder seine eigene Meinung!“ Die Quellen haben ein Vetorecht und ein Provokationsrecht. Multiperspektivität (besser Perspektivenwechsel) ist kein Luxus und keine Nestbeschmutzung, sondern ein Gebot intellektueller Redlichkeit, moralischer Reife und sinnbildender Erzählung; nur sie erlaubt eine zukunftsfähige Orientierung durch Identitätserweiterung, d.h. unter Einschluss möglichst vieler relativ berechtigter anderer Sichtweisen: „Sich vertragen ist seliger als hassen“.

Diese Zeilen überzeugen mich, wie viel intensiver man sich mit dem Zusammenleben verschiedener Nationalitäten befassen sollte, umso mehr mit Rücksicht auf das sich vergrößernde Europa. Wenn ich an die Geschichte und Schicksale der Menschen in der Vergangenheit denke, vergesse ich nie, was ich als Motto meiner Rede benutzt habe. Das Fremde abzulehnen und gleichzeitig Angst vor dem Fremden und vor dem Neuen zu haben ( anders: Anderweitigkeit als Gefahr), die gegenseitige Intoleranz usw. begleitet den Prozess der Integrierung der Menschen in die Mehrheitsgesellschaften. Das Zusammenleben entwickelt sich in verschiedenen Ländern unterschiedlich, je nach der demokratischen Entwicklung des Landes, der Größe, Offenheit und der Ausbildung des bürgerlichen Bewusstseins. Wenn ich heute z.B. an die kurzsichtige französische Regierungsentscheidung, die die Muslimtücher, jüdische Kopfbedeckung oder Kreuze in den Schulen zu tragen verbietet, denke, kann ich es kaum begreifen. Was bringt es für beide Seiten?

Um sich zu verstehen, mĂĽssen wir uns kennen lernen, gegenseitig akzeptieren, zusammen reden, die Sinnbildungsfiguren ablegen, das Denken wechseln, die Empathie einzusetzen versuchen, die Toleranz zur Unterschiedlichkeit lernen.  Prof. von Borries benutzt an einer Stelle seines Beitrages ein indianisches Sprichwort, das fordert, man solle ĂĽber niemanden urteilen, wenn man nicht vierzehn Tage in seinen Schuhen gelaufen sei. Oder eine andere Volksweisheit, die besagt: „Stell dich doch mal auf meinen Standpunkt, sieh das doch mal mit meinen Augen!“ Auch wenn es nicht immer möglich ist, sich zu verstehen, meine ich, man mĂĽsste es versuchen.

Ein Beispiel von uns: Der indische Sozialarbeiter, Kumar Wishwanathan, der in Tschechien lebt, hat gemeinsam mit sozialschwachen Familien von Zigeunern und Weißen nach den Überschwemmungen (1997) eine Häuschensiedlung der Verständigung gebaut und durch Spenden und Sammlungen trotz verschiedener Schwierigkeiten zum gemeinsamen Leben gebracht. Die Gemeinde lebt bis jetzt. Wie stolz bin ich auf diesen Mann! Ist es nicht ein Beweis dafür, dass man Ideen zum Leben bringen kann?
                                                                                                                          
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2. Wie sieht es mit dem Bevölkerungstand nach der letzten Volkszählung in unserer Republik aus ?

Es gibt 10 206 436 Einwohner, davon melden sich 373 294 zur mährischen, 11 248 zur schlesischen, 183 749 zur slowakischen, 38 321 zur deutschen, 50 971 zur polnischen, 19 857 zur ungarischen, 11 716 zur Roma, 353 019 zu anderen oder nicht festgestellten Nationalitäten.

Über die Lage der Minderheiten in der Tschechischen Republik möchte ich eine kurze verständliche Übersicht geben. Ich erlaube mir die Übersicht mit meinem eigenen Kommentar zu ergänzen.

Die tschechische Regierung baut ihr Verhältnis zu den ethnischen Minderheiten auf drei Festlegungen auf:  Es geht um eine Perspektive der Menschenrechte, um eine nationale Minderheitsperspektive im engeren Sinne des Wortes und eine soziokulturelle Perspektive. Diese Aspekte sind nicht in Konflikt, sondern sie ergänzen sich, sagt der Bevollmächtigte fĂĽr Menschenrechte Jan JaĹ™ab.

Für die Minderheitenangelegenheiten wurden drei Räte als Beratungsorgane der Regierung, die die Durchsetzung der Konvention für Menschenrechte beobachten, gebildet: Der Rat für Menschenrechte, der Rat für nationale Minderheiten und der Rat für die Angelegenheiten der Roma - Kommunität. Die Rechte, Konzeption und Arbeit in diesem Bereich sind im Gesetz über die Rechte der Angehörigen der nationalen Minderheiten (Gesetzessammlung 273 / 2001) und in einer Menge von Verordnungen verankert.

Besondere Aufmerksamkeit der Regierung ist der Roma – Kommunität gewidmet, die mehrere Aspekte der Perspektiven einer Minderheit und Unterschiedlichkeiten verbindet. Die BemĂĽhungen der Regierung und der nichtstaatlichen Organisationen (nachfolgend  NGO), die eine besonders positive Rolle spielen können, setzen sich bis jetzt besonders in den Fragen der Lage der Roma - Kommunität nur schwer durch. Trotz der allgemeinen oralen Zustimmung zu Thesen, muss man die starke Abneigung der Beamten und auch der breiteren Ă–ffentlichkeit gegen die Durchsetzung positiver MaĂźnahmen fĂĽr die Roma, ĂĽberwinden, behauptet Jan JaĹ™ab und ergänzt, dass der Mythus, man hat schon genug fĂĽr die Roma gemacht und jetzt sei die Reihe an ihnen und nicht an der Majorität, ist leider sehr oft vorhanden. Wir könnten auch ähnliche Beispiele von der Intoleranz gegen FlĂĽchtlinge und Asylanten auffĂĽhren.

Die Europäischen Organe drängen regelmäßig die Regierung, europäische Regeln durchzusetzen. Die Organe der Regierung zwingen dann die Beamten niedriger Ebenen die Berichte vorzulegen. Wie formal oder nicht formal es ist, kann ich als Beobachterin nicht beurteilen. Ich kann aber die Proklamationen und Thesen mit der Realität vergleichen. Ich habe mir zum Beispiel das Protokoll einer Sitzung des Ausschussrates der Rahmenkonvention ĂĽber den Schutz der nationalen Minderheiten des Europarates vom Dezember 2003 durchgelesen. Man diskutierte dort ĂĽber die Fragen der Vorbereitung des periodischen Berichtes fĂĽr dieses Organ. Hauptthemen dieser Sitzung: Fragen der Bildung und Bildungsmöglichkeiten, Benutzung der Minoritätssprachen in der Kommunikation mit Ă„mtern, Partizipierung der Minderheitsvertreter an Lösungen der Fragen der Lage der Minderheiten, die Lage der Roma, die Stellung der Polizei und ihre Schulung ĂĽber Menschenrechte und Kommunikation mit Minderheiten, Kriminalität mit Rassenhintergrund, die legislativen Möglichkeiten des Schutzes der Menschenrechte,  MaĂźnahmen fĂĽr Verstärkung der Toleranz und den interkulturellen Dialog in der tschechischen Gesellschaft, Medien und die Minderheiten.

Bemerkung: Regelmäßige Sendungen im Rundfunk bereiten deutsche, polnische, slowakische und Roma – Redaktionen oder auch regionale Stationen vor. Für die Periodika der Minderheiten gibt die Regierung 30 Millionen Kronen aus. Ein ziemlich breiter Inhalt, nichtwahr?

Aber die Regierung und die zuständigen Behörden, besonders auf der kommunalen Ebene, wurden trotzdem auf dieser Sitzung wegen einer langsamen Durchsetzung der Regierungsvorkehrungen von den Vertretern der Minoritäten kritisiert. Viel bleibt also mehr auf dem Papier. Marta KremliÄŤková, Pädagogin und Psychologin aus Prag, betonte in ihren Vorträgen ĂĽber multikulturelle Erziehung, dass die Entscheidungen erst nach dem Prozess des Erkennens der Problematik  und dem Verständnis folgen können. Wissen dies immer auch die, die entscheiden?

Bemerkung: Wo sind die Ursachen der sozialen Unruhen in der Slowakei vor ein paar Wochen? Sind sie ein Erfolg von guten Entscheidungen? Ist die Grenzsperre der tschechischen Grenze eine gute Entscheidung?

Ich meine, dass die Regierung und die Behörden bei der Durchsetzung des Gesetzes und der Maßnahmen zu allen genannten Themen, leider oft auch wirksame Kontrollmechanismen einzusetzen vergessen. Sehr wenig beschäftigt man sich mit der Prävention, mit der systematischen Ausbildung derer, die entweder verantwortlich sind, sich freiwillig zur Arbeit im Terrain melden oder eingesetzt sind. Kommunikation zwischen Behörden und Minoritäten ist oft nur formal, unprofessionell oder fehlt überhaupt. Auch ein Mangel an Partnern, wenig Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch erleichtern die Arbeit nicht. Die Zusammenarbeit ist dabei eine der Hauptbedingungen der Regeln der ausgeschriebenen Projekte. Es gibt Fälle, wo die Mittel ohne Kontrolle nicht selten in andere oder sogar private Zwecke strömen oder man fördert das, was „besseren Ruf“ hat oder nicht so kompliziert ist (Sport ). Man findet immer noch viele Fälle vom allgemein benutzten „Klientelismus“, sowie die Korruption (Beispiel des Falles vom tschechischen Ethnobusiness). Die kritische ökonomische Lage des Staates beteiligt sich dann an dieser Situation auch sehr stark. Man kürzt die Mittel für die Tätigkeit der NGO, die wichtige Träger der Realisierung und Lösung der Problematik sein können und auch sind.

3. Projekte und Aktivitäten der öffentlichen und nichtstaatlichen Einrichtungen

Nach diesem Teil meines Beitrages gehe ich gern zu dem Positiven und Beispielgebendem und zwar zu den Programmen fĂĽr nationale Minderheiten ĂĽber.

Trotz erwähnten Schwierigkeiten sind im Angebot manche Plattformen, durch welche diejenigen, die einen Antrag in dem Wettbewerb vorzulegen fähig sind, sich für ihre Tätigkeit Gelder beschaffen können. Zum Erfolg im Wettbewerb muss man aber oft wirklich gut reif sein und die Ausscheidung im Wettbewerb nimmt teilweise manchen den Mut, sich weiter zu bemühen oder nimmt die Motivation und Sicherheit.
                                                                                                                          
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Was fördert zum Beispiel die tschechische Regierung?:

Jetzt im Frühling fängt eine große Kampagne gegen Rassismus an, die mit 4 Millionen Kronen unterstützt wird und auch dabei schon laufende Programme ergänzt. Programme für die Unterstützung der Minderheiten sind hauptsächlich von den Ministerien für Bildung und Kultur ausgeschrieben.

Das Kulturministerium in seiner Kulturpolitik unterstützt schon mehrere Jahre folgende Programme und Aktivitäten, wobei die Veranstaltungen und Tätigkeit der nationalen Minderheiten Priorität haben:

- Aktivitäten im Kunstbereich
- Bildungs- und Erziehungsaktivitäten im Kulturbereich
- Dokumentation der nationalen Kulturen
- Publikationstätigkeit
- multiethnische Veranstaltungen

Das Schulministerium fördert:

Unterstützung der Integration der Roma - Reform der multikulturellen Bildung (Unterstützung – auch finanzielle - der Roma – Schülern aus den Mittelschulen, sowie die Ausbildung der Lehrer und Roma – Assistenten in den pädagogischen Zentren in den Landkreisen der Republik.), Sprachenlehre für Kinder und Jugendliche der nationalen Minderheiten, Gesellschaftlich-kulturelle Aktivitäten, Sport- und Bildungsaktivitäten für Kinder und Jugendliche der Angehörigen der nationalen Minderheiten und der Mehrheitsgesellschaft im Zusammenhang zur Minderheitsgesellschaften, Gestaltung der Bildungsprogramme und Lehrmaterialien im Bereich der nationalen Minderheitsbildung, die zur Kenntnis der Geschichte und Kultur anderer Nationalitäten, zur demokratischen Bürgererziehung, zur gegenseitigen Toleranz, gegen rassistischen und nationalen Unverträglichkeit, Xenophobie und Antisemitismus führen. Es geht um die Aktivitäten der Minderheits- und Majoritätsgruppen zur Unterstützung des gegenseitigen Verständnisses, der Toleranz und Verminderung der Spannung in der Gesellschaft.

Die Regierung, bzw. das Amt der Regierung gibt auch ganz mächtige direkte Unterstützung an nichtstaatliche Einrichtungen, die sich mit der Tätigkeit und Hilfe für die Minderheiten beschäftigen.

Projekte und Aktivitäten der öffentlichen und der nicht staatlichen Einrichtungen halte ich für sehr wichtig, weil sie die konkrete Arbeit leisten und ihre Beispiele besonders für die breitere Öffentlichkeit einen wirklichen Wert haben. Da kommen endlich auch die Bibliotheken zu Wort.

Zum besseren Verständnis erwähne ich die Zahl der NGO:

Zum 31.März 2002 wurden in der Republik 385 Vereine registriert, die sich mit nationaler Minderheitsproblematik beschäftigen: 291 Roma, 43 deutsche, 22 polnische, 14 slowakische, 4 ukrainische, 3 russische, 2 ungarische, 3 bulgarische, 1 griechische, 1 kroatische.

Die Tätigkeit der Einrichtungen und NGO steigt und entwickelt sich immer noch besonders mit der Kraft und auch dem Mut der opferwilligen Mitarbeiter, sich dieser Arbeit zu widmen, die Kenntnisse zu übergeben und ins Terrain zu gehen.

Auf der kommunalen Ebene sind es meistens die Kommissionen für nationale Minderheiten in den größeren Städten, Bibliotheken und NGO. Nicht immer, wie schon erwähnt, laufen die Aktivitäten koordiniert – sie laufen nicht selten parallel. Es liegt oft nur am persönlichen Einsatz von Menschen auf beiden Seiten.

Eine vom Staat geförderte Einrichtung, die letzte Zeit einen sehr guten Einfluss, Unterstützung und Hilfe für die Einrichtungen leistet, die auch die Veranstaltungen und Programme für die breite Öffentlichkeit selber veranstaltet, ist das Multikulturelle Zentrum in Prag.

Das Zentrum verbreitet seine Tätigkeit in der ganzen Republik mit dem Ziel zu zeigen, dass das multikulturelle Leben in der ÄŚR möglich und bereichernd ist. Es stellt erstens einen guten Partner dar und gleichzeitig entwickelt sich das Zentrum als ein Koordinator des professionellen Zugangs zur Arbeit mit der Ă–ffentlichkeit. Das Zentrum informiert, schult, veranstaltet öffentliche Debatten, Ausstellungen, empfiehlt Literatur, gibt Publikationen heraus, hat eine eigene Bibliothek, gibt den Bibliotheken  Akquisitions – Service, beteiligt sich als Partner an anderen Programmen, wie zum Beispiel:
-  von der Regierung unterstĂĽtzte „Kampagne gegen Rassismus“,
-„Vielfältigkeit in die Bibliotheken“,
-„Leute lest!“, usw.

In der Diskussion wird das alles sicher von Vertretern des Zentrums  ergänzt.
Nach meiner Meinung und dank der Möglichkeit sich an einer Schulung für Bibliotheken zu beteiligen und dank den Aussagen der Zeugen, stellt das Zentrum eine systematische, professionelle und wertvolle Arbeit vor.

Ein wichtiger Partner fĂĽr Fragen der Roma – Minderheit ist das Roma – Museum in BrĂĽn / Brno, das als ein Zentrum der Roma – Kultur im Jahre 1991 gegrĂĽndet wurde. Es soll ein einmaliges und eigenartiges Zentrum der Roma – Lehre /Romistik im Mitteleuropa sein. Es bietet Raum fĂĽr die Begegnung  der Kulturen, dokumentiert die Roma – Kultur als Teil der europäischen Erbschaft und öffnet den Weg zu den Wurzeln der Roma-Identität, sagt man in den Ersten Sätzen der Präambel dieser nichtstaatlichen Organisation. Die Bibliothek des Zentrums enthält 2730 Einheiten der Roma- und Romistik - Literatur, FachbĂĽcher ĂĽber nationale Minderheiten, Holocaust, gegen Rassismus usw., und bildet so eine Basis fĂĽr Informationen, fĂĽr Beratungen und Bildung der Ă–ffentlichkeit, sowie fĂĽr Entwicklung der Wissenschaft. Das Zentrum präsentiert sich mit Ausstellungen, Seminaren, Konferenzen, Veranstaltungen und bietet auch Wanderausstellungen an.
                                                                                                                          
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4. Stadt und Landkreis Liberec

Der letzte Teil meines Beitrages sind Beispiele aus der Region und der Stadt, in der ich lebe und in der ich mehrere Jahre als Mitglied einer Kommission für nationale Minderheiten tätig war. Die Stadt Liberec, deutsch Reichenberg , die Hauptstadt des Landkreises, eine nordböhmische Stadt mit einer dramatischen Historie, hat Raum für verschiedene Kulturen angeboten und bietet ihn wieder an. Seit dem Jahre 2000 ist sie auch mit einer neuen modernen Bibliothek bereichert. Diese Bibliothek, die ich die Ehre hatte aufzubauen, begleitet eine Symbolik, die dem Inhalt unserer heutigen Diskussionen entspricht.

Die Bibliothek stellt das Bild und Gedächtnis einer Gesellschaft dar.

Jede demokratische Gesellschaft ist verpflichtet, alle ihre Minderheiten zu schĂĽtzen. Das Gebäude der Liberecer Bibliothek, die in einer Symbiose mit einer Synagoge steht und lebt, so wie einmal die tschechische, jĂĽdische und deutsche Kultur in diesem Gebiet gelebt hat, schĂĽtzt symbolisch das Gebäude der Synagoge, ein Symbol aller  heutigen Minderheiten.

Die Stadtverwaltung  betreut die Fragen der Minderheiten durch das Ressort fĂĽr Kultur, Schulwesen und Sozialangelegenheiten, Landkreis durch das Department fĂĽr Sozialangelegenheiten.
 
Die Stadt, sowie der Landkreis schreiben periodisch verschiedene Programme aus. Die Ausschreibungen im Bereich „Kultur“ können von Minderheiten genutzt werden. Z.B. das Programm unter dem Titel „Entwicklung der ethnischen und nationalen Kultur“, ist den Minderheiten direkt gewidmet.

Im Landkreis wohnen 427 227 angemeldete Einwohner, in der Hauptstadt sind es ca. 100 000.

Die größte Minderheit  ist die slowakische - 8197 Personen, an der zweiten Stelle steht die deutsche Minderheit 3618
.
Gesamtzahl der nichtstaatlichen Organisationen: 3448. 29 davon widmen sich der Minderheitsproblematik.

Zu der Roma-Minderheit melden sich im Landkreis nur 615 Personen, was nicht stimmt. Man schätzt, dass im Landkreis ca 14 000 Roma leben. Tätig sind hier 22 Roma Vereine mit ca. 800 – 900 Mitgliedern.
 
Eine selbstständige  Problematik des Landkreises bringt dann die Konzeption der Integration der Ausländer.

Ich betone, dass wir, die NGO, als Teil unserer (meistens freiwilligen) Tätigkeit, ohne systematische und sinnvolle Koordination unserer Aktivitäten begonnen haben. Das letzte Jahr und Anfang dieses Jahres scheint es sich zu verbessern. Wir haben uns endlich gefunden und angefangen uns gegenseitig zu informieren und die Angebote und die Ideen mitzuteilen. An der Webseite des Landkreises hängt eine Analyse der regionalen Minoritätsproblematik...

So komme ich zu der Stadt LIBEREC

Als Beratungsorgan des Rathausrates arbeitet für die Stadtregierung die Kommission für nationale Minderheiten. Fünf Jahre der Arbeit dieser Kommission waren sehr erfolgreich, trotzdem sie nicht immer ihre Meinungen durchsetzen konnte. Es bildete sich ein produktives Team, das mit Vertretern von Nichtmitgliedern der Kommission ergänzt ist, mit Leuten aus Minoritäten, die Interesse an der Arbeit oder mindestens an Informationen haben.

Wie schwierig es ist, manche Minoritäten zu kontaktieren (Vietnamesen), wie schwer es sich manche machen, sich durchzusetzen oder aus der Isolierung kommen zu  wollen, muss ich sicher nicht erwähnen. Der Weg zu einander zu kommen, wird leichter oft durch die Kinder gefunden.
 
Der größte Erfolg der BemĂĽhungen der Stadt und der Kommission  brachte vor 5 Jahren die Errichtung der Roma: Die Idee, das Zentrum in eine Beratungsstele fĂĽr alle Minderheiten umzuwandeln. Trotzdem die Idee nicht ganz realisiert wurde (der Kindergarten ist aufgelöst), ist das Zentrum eines der aktivsten Stellen der Kommunikation mit und fĂĽr die Roma in der Stadt.
 
Aktivitäten:

Musikschule, Tanz-, dramatischer und Computerzirkel, Fußballteam, Kurse der Roma – Sprache, Fitnesszentrum, Sozial- und Rechtsberatungen.

Veranstaltungen, wie Bälle, Konzerte der Roma – Kappellen und Ausstellungen, periodische Teilnahme an Roma – Festspielen - das ist  Selbstverständlichkeit.

Im Sommer Kinderlager zu organisieren, mit dem Koordinator für Roma – Assistenten und mit ihnen zusammen zu arbeiten ist schon als Pflicht angenommen.

Die Aktivitäten der deutschen Minderheit sind reichlich durch 6 Vereine vertreten und wickeln sich vor dem Hintergrund der Partnerschaft von Städten, Nachbarschaftsbeziehungen und der gemeinsamen Geschichte und Kultur ab.

Slowakische BĂĽrger sind am Gebiet des Landkreises nicht gesellschaftlich organisiert.

Die Jüdische Gemeinde. Eine kleine, aber lebendige Kommunität, die sich ganz ernst zu öffnen versucht. In der neuen Synagoge veranstaltet sie ökumenische Veranstaltungen, zweimal in dem Monat öffnet sie die Türen für die Öffentlichkeit, hat einen hebräischen Sprachenkurs, Tanzzirkel mit israelischen Tänzen, beteiligt sich oft an gemeinsamen Veranstaltungen mit anderen Minoritätsgruppen.

Endlich komme ich auch zu den Aktivitäten der Liberecer Bibliothek. Die Aufgabe, die die Bibliothek ĂĽbernommen hat, erfĂĽllt sie nicht nur Dank des Gesetzes fĂĽr öffentliche Bibliotheken, aber auch Dank der spezifischen Ideen, die ihre  Mitarbeiter entwickelt haben und freiwillig mit groĂźer Verantwortung durchfĂĽhren wollen.

Aktivitäten:

Die Bibliothek hat der Kommission für nationale Minderheiten der Stadt Liberec den Raum für die Veranstaltungen „Wir leben hier“ zu Verfügung gegeben.
- Die Akquisition der Bibliothek orientiert sich an ausländischer Literatur der Minderheiten, die in der Region leben.
- Die Bibliothek nĂĽtzt Angebote der Regierungsprogramme und des Multikulturellen Zentrums und seines Services aus.
- Die Bibliothek verlegte in roma – tschechisch geschriebenes Buch mit Erzählungen von einem berühmten Schriftsteller Ludvík Středa für Kinder. Der Titel lautet „Regenbogenfarbige Brücke“ und ist, nach meiner Meinung ein Beweis, wie tief die Bemühungen zur Verständigung und Offenheit der Bibliothek zu den Minderheiten gehen. Das Buch wurde an der internationalen Kinderbuchmesse in Liberec am 12. März vorgestellt und wird den öffentlichen Bibliotheken, den Schulen und Hilfsschulen, den Kinderheimen der Region und Republik geschenkt. (Das Buch habe ich für die Roma Bibliothek als Spende auch mitgebracht. An den Kosten haben sich mehrere Stiftungen - z.B. „Die Schule als Spielraum“, - aber auch der Landkreis und die Stadt beteiligt.)

Veranstaltungen fĂĽr und ĂĽber die Minderheiten unter dem Titel „Wechselbeziehung der Kulturen“: Abend ĂĽber Afrika, ukrainischer Abend mit Musik und Lesung – „Heimkehr zu den Wurzeln“,  ein internationaler Abend – „Weihnachten, wie man es anderswo feiert“.

FĂĽr dieses Jahr ist in der Vorbereitung:

Jüdische Kultur (in der Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde), die Roma (Lesung der Roma Geschichten und Märchen), die Vietnamesen, Angelsächsische Länder, Frankreich, Deutschland (mit Zusammenarbeit mit den Sprachschulen und der Universität) und im Dezember wieder die Veranstaltung „Weihnachten, wie man es anderswo feiert“.

An allen Veranstaltungen werden die Vertreter der bestimmten Minderheiten als Gäste eingeladen. So wie früher, werden diese Veranstaltungen moderiert. Die Minderheiten werden nicht nur vorgestellt, interaktiv werden auch Gespräche mit Zuhörern und Gästen geführt und die Veranstaltungen mit Musik, nationalen Speisen und Bücherausstellung ergänzt.

In einer Überlegung steht noch der Wille, ein Buch der Roma Märchen und Gedichte vom Roma Schriftsteller und Übersetzer Emil Cina zu verlegen. Es ist ein Einsatz, der zwar jetzt noch über den Rahmen eigener professionellen Aufgaben hinaus geht, Solche Angebote, die den öffentlichen Raum, den die Bibliotheken vorstellen, verbreiten sich schnell.

 Uns alle, nicht nur Bibliotheken, erwarten noch viele Schritte, die uns zusammen bringen können, sollen und mĂĽssen und wir rechnen damit, dass sie nicht leicht werden. Wir sind auch ĂĽberzeugt, dass wir einen stärkeren Einfluss auf die Beamten und Behörde, bzw. auf die Regierung zu erreichen fähig sind.
 

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